30.06.2020 / Vorstösse / Bildung /

Neuen Entwicklungsschwerpunkt Umgang mit psychisch- und/oder sozialauffälligen Kindern und Jugendlichen

Postulat Sabine Sutter-Suter, CVP, Lenzburg (Sprecherin), Simona Brizzi, SP, Ennetbaden, Cécile Kohler, CVP, Lenzburg, Hans-Ruedi Hottiger, parteilos, Zofingen, Maya Bally, CVP, Hendschiken, Lucia Ambühl-Riedo, FDP, Sarmenstorf, Ruth Müri, Grüne, Baden, Urs Plüss, EVP, Zofingen, Barbara Portmann-Müller, GLP, Lenzburg, Michael Wetzel, CVP, Ennetbaden, Thomas Leitch-Frey, SP, Wohlen, vom 30. Juni 2020 betreffend neuen Entwicklungsschwerpunkt Umgang mit psychisch- und/oder sozialauffälligen Kindern und Jugendlichen im Kanton Aargau

Text:
Der Regierungsrat wird eingeladen, einen neuen Entwicklungsschwerpunkt zum Thema Umgang mit psychisch- und/oder sozialauffälligen Kindern und Jugendlichen im Aufgaben- und Finanzplan (AFP) aufzunehmen.

Begründung:
Das System Schule kommt zum Teil an seine Grenzen, was den Umgang mit psychisch- und/oder sozialauffälligen normal begabten Kindern und Jugendlichen in der Regelschule betrifft. Kinder und Jugendliche mit sozialen und/oder psychischen Auffälligkeiten stellen eine grosse Herausforderung für das Umfeld wie auch Lehrpersonen und Schulleitungen dar. In den letzten Jahren zeichnet sich eine Entwicklung ab, dass verstärkt schon jüngere Kinder im Klassenverband starke Verhaltensauffälligkeiten zeigen und Sonderschullösungen gesucht werden müssen.
Im Kanton Aargau bestehen für schulpflichtige Kinder und Jugendliche (SuS) mit psychischen oder sozialen Auffälligkeiten aktuell zu wenig Plätze in Sonderschulen. Im Jahresbericht 2019, AB 310 Volksschule, Ziel 310Z008 macht der Regierungsrat darauf aufmerksam, dass die Anzahl Neuaufträge im Bereich der einzelfallorientierten Dienstleistungen weiter angestiegen ist und die Fälle teilweise priorisiert werden mussten.

Das Departement Bildung, Kultur und Sport des Kantons Aargau (BKS) hat erkannt, dass Handlungsbedarf besteht, und hat die lnterkantonale Hochschule für Heilpädagogik und die Pädagogische Hochschule Zürich mit einem Forschungsprojekt beauftragt. „Als Hauptziel soll die Studie analysieren, wie verschiedene Schulen mit sozial beeinträchtigten Schülerinnen und Schüler umgehen und welche Faktoren die unterschiedlichen VM-Quoten (verstärkte Massnahmen) beeinflussen.“ (Barth, Kunz, & Luder, 2019, S. 5).

Der Kanton Aargau ist Trägerkanton der Hochschule für Heilpädagogik (HfH). Diese hat eine Be-darfsanalyse zum Umgang mit Verhaltensauffälligkeiten in der Schule erstellt. Die Zusammenfassung zählt Verhaltensweisen auf, für welche der grösste Unterstützungsbedarf besteht (Müller & Sigrist, 2019, S. 54). „Viel Bedarf besteht bei Verhaltensweisen, welche häufig erlebt und als belas-tend empfunden werden: Aggression, Opposition, schulisches Problemverhalten, Aufmerksamkeitsprobleme.“ (Müller & Sigrist, 2019, S. 55).

„Für die Prävention und Intervention bei Verhaltensauffälligkeiten existiert eine Vielzahl an Konzep-ten, Theorien und Programmen.“ (Müller & Sigrist, 2019, S. 4) Das System muss nicht neu erfunden werden, aber die Effektivität und die Effizienz können optimiert werden.

Die Problematik von psychisch- und/oder sozialauffälligen normal begabten Kindern und Jugendlichen ist vielschichtig und muss deshalb auch auf verschiedenen Ebenen angegangen werden.

Die Postulantinnen und Postulanten laden den Regierungsrat ein, einen neuen Entwicklungsschwer-punkt zu definieren, welcher

  • ressourcenorientiertes Denken und Handeln ins Zentrum stellt
  • die Zusammenarbeit der verschiedenen Player stärkt
  • die Interdisziplinarität fördert
  • die Tragfähigkeit der Schulen stärkt
  • im Umfeld der Schule die Schnittstellen berücksichtigt, wie z. B. Kinder- und Jugendarbeit, schulpsychologischer Dienst, Schulsozialarbeit, Beratungsdienste.

Der Entwicklungsschwerpunkt soll die Schule im Umgang mit Verhaltensauffälligkeiten von psychisch- und/oder sozialauffälligen normal begabten Kindern und Jugendlichen im Kanton Aargau stärken. Lösungen für den Umgang mit Verhaltensauffälligkeiten sollen zusätzlich sowohl im System Schule als auch im gesamten Umfeld gesucht, gefunden und umgesetzt werden.

1. Literaturverzeichnis
Barth, D., Kunz, A., & Luder, R. (04 2019). Schlussbericht. Abgerufen am 27. 06 2020 von HfH, Interkantonale Schule für Heilpädagogik: https://www.hfh.ch/fileadmin/files/documents/Dokumente_FE/5_55_Schlussbericht_Aargau.pdf
Müller, X., & Sigrist, M. (10 2019). Abgerufen am 27. 06 2020 von HfH, Interkantonale Schule für Heilpädagogik: https://www.hfh.ch/fileadmin/files/documents/Dokumente_Expertenwissenonline/Verhalten/B edarfs-analyse_IVE_def.pdf
https://www.hfh.ch/fileadmin/files/documents/Dokumente_Expertenwissenonline/Verhalten/Bedarfsa-nalyse_IVE_def.pdf

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