03.03.2020 / Vorstösse / Bildung /

Konzept und Massnahmen zur Förderung des Sprach- und Kulturaustausches für die Volksschule und die Sekundarstufe II (Berufsbildung und allgemeinbildende Schulen)

Motion Alfons Kaufmann, CVP, Wallbach (Sprecher), Tanja Primault-Suter, SVP, Gipf-Oberf-rick, Simona Brizzi, SP, Ennetbaden, Sabina Freiermuth, FDP, Zofingen, Ruth Müri, Grüne, Baden, Dominik Peter, GLP, Bremgarten, Maya Bally Frehner, BDP, Hendschiken, und Sabine Sutter-Suter, CVP, Lenzburg, vom 3. März 2020 betreffend Konzept und Massnahmen zur Förderung des Sprach- und Kulturaustausches für die Volksschule und die Sekundarstufe II (Berufsbildung und allgemeinbildende Schulen)

Text:
Der Regierungsrat wird eingeladen, ein Konzept mit Massnahmen zu erarbeiten und umzusetzen, welche die von Bund und der Erziehungsdirektorenkonferenz angestrebte Austauschkultur (Sprach- und Kulturaustausch) innerhalb der Schweiz während der Volksschule und Sekundarstufe II stärkt und so fördert, dass die Voraussetzungen für den Erhalt von künftig in Aussicht gestellten Bundesgeldern geschaffen werden.

Ziel sollte es sein, dass möglichst jede/r Aargauer Schülerin und Schüler bis am Ende der Sekundarstufe II in einer Landessprache einen Gruppen- oder Einzelaustausch absolviert.

Begründung:
Im August 2016 hat der Regierungsrat das überparteiliche Postulat „Sprachen- und Kulturaustausch in der Schweiz für alle“ unter anderem mit dem Hinweis auf die laufenden Arbeiten auf Bundesebene zur Ablehnung empfohlen. Der Bund und die Erziehungsdirektorenkonferenz haben in der Zwischenzeit die strategischen Leitplanken für Austausch und Mobilität geschaffen. Nun ist es an den Kantonen die Umsetzung auch in ihrem Wirkungsbereich voranzutreiben. Folgendes wurde seit 2017 auf Bundesebene beschlossen und muss in die Konzepterarbeitung einfliessen:
Im Januar 2017 hat die Nationale Agentur zur Förderung von Austausch und Mobilität Movetia ihre Tätigkeit aufgenommen. Die Agentur fördert sowohl den Austausch innerhalb der Schweiz als auch mit dem Ausland. Schulen können für Austauschprojekte von Klassen/Gruppen innerhalb der Schweiz niederschwellig Gelder beantragen.
Im November 2017 haben Bund und Kantone (Plenarversammlung der Erziehungsdirektorenkonferenz EDK) eine gemeinsame Strategie für „Austausch und Mobilität“ verabschiedet. Bund und Kan-tone sprechen sich dafür aus, dass junge Menschen im Verlauf ihrer Ausbildung oder im Übergang ins Arbeitsleben vermehrt an Austausch- und Mobilitätsaktivitäten teilnehmen sollen. Die jungen Menschen verbessern so ihre Sprachkenntnisse, ihre sozialen und fachlichen Kompetenzen und da-mit auch ihre Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt. Sie lernen zudem die sprachliche und kulturelle Vielfalt der Schweiz (und anderer Länder) kennen.

Im beantragten Konzept ist festzuhalten, wie der Kanton Aargau zur Umsetzung dieser nationalen Strategie beiträgt.

Ebenfalls im November 2017 hat die EDK Empfehlungen zum Fremdsprachenunterricht in der obli-gatorischen Schule erlassen. Sie empfehlen insbesondere, dass die Schulen „für alle Schülerinnen und Schüler mindestens einmal ein Austauschprogramm in einer anderen Landessprache organisieren“ (Empfehlung 16) und dass die nötigen Voraussetzungen geschaffen werden, damit „Schülerinnen und Schüler länger dauernde, individuelle Aufenthalte in anderen Sprachregionen der Schweiz machen können (Empfehlung 17). Die Empfehlungen betreffen auch eine Generalisierung des Aus-tausches von angehenden Lehrpersonen während der Ausbildung (Empfehlung 18) und die Förde-rung von längeren Aufenthalten in einer anderen Sprachregion für Lehrpersonen (Empfehlung 14, 19 und 20). Betont wird insbesondere die Wichtigkeit von Austausch im Hinblick auf eine Öffnung ge-genüber der Zielsprache und ihren Sprecherinnen und Sprechern sowie für die Entwicklung von in-terkulturellen Kompetenzen und die Wahrung der Lernmotivation.

Im beantragten Konzept ist festzuhalten, wie der Kanton Aargau diese Empfehlungen umsetzt.

2018 wurden mit nationalen Mitteln der Austausch von 233 Aargauer Schülerinnen und Schülern aller Schulstufen (Primar bis Sekundarstufe II) unterstützt. Diese Zahl ist angesichts der Schülerzahlen verschwindend klein. Hier muss das Departement Bildung, Kultur und Sport (BKS) die Schulen und Lehrpersonen unterstützen, damit künftig mehr Austauschprojekte stattfinden. Es gilt Vereinbarun-gen mit Partnerkantonen zu schliessen, allenfalls ein Austauschprogramm zu lancieren (Bsp: „Deux langues – ein Ziel“ der Kantone VS und BE), die Antragsstellung für Finanzmittel bei Movetia zu übernehmen und wenn die Mittle nicht ausreichen, diese durch kantonale Beiträge zu ergänzen.

Im Jahr 2020 wird das Bundesparlament über die die Kulturbotschaft 2021–2024 (Finanzierung des nationalen Austausches und Mobilität) befinden. Es ist davon auszugehen, dass künftig zusätzlich Bundesmittel für Austauschaktivitäten zur Verfügung stehen werden. Im Hinblick darauf hat der Kanton aufzuzeigen, wie die vom Bund und der Erziehungsdirektorenkonferenz angestrebte Austauschkultur im Aargau verankert wird.

Kontakt