05.03.2019 / Vorstösse / Gesundheit /

Förderung der Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung

Interpellation Andre Rotzetter, CVP, Buchs (Sprecher), Edith Saner, CVP, Birmenstorf, 5. März 2019 betreffend Förderung der Gesundheitskompetenz in der Bevölkerung

Text und Begründung
Die Schweiz hat eines der besten Gesundheitswesen auf der Welt. Aber Zahlen zeigen nun, dass wir in Bezug auf die Gesundheitskompetenz der Bevölkerung nicht gut da stehen. Eine Erhebung vom 2018 hat im Kanton Zürich ergeben, dass 56 Prozent der Befragten Schwierigkeiten haben, Gesundheitsinformationen zu finden, zu verstehen und entsprechend zu handeln. In einem Ländervergleich von neun europäischen Staaten liegt die Schweiz nur gerade auf dem sechsten Platz und schneidet schlechter ab als Polen und Griechenland. Gemäss der Studie haben 54 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer eine unzureichende Gesundheitskompetenz, was dazu führt, dass unser gut ausgerichtetes Gesundheitssystem nicht richtig genutzt wird.

So suchen viele Leute den Spital-Notfall auf, obwohl es nicht nötig wäre, machen Therapien, die wenig bis nichts bringen und schaden mit ihrem Lebensstil aus „Nicht-Wissen“ ihrer Gesundheit oder deren Einschränkungen.

Die Gesundheitsdirektion Zürich will zusammen mir der Careum-Stiftung dieses Thema angehen. Das Ziel ist, dass die Bevölkerung mit der Flut von oft widersprüchlichen Informationen bessere Entscheidungen trifft und generell mit Gesundheitsfragen aufgrund von Wissen, Erfahrung und Informationsaustausch kompetenter umgehen kann. Denn die mangelnde Kompetenz kostet viel Geld. Das Ziel ist, Menschen zu befähigen, sich besser zurechtzufinden, und aufgrund von Wissen eigene Entscheidungen zu treffen. Ziel ist aber auch, die Komplexität durch Rahmenbedingungen einfacher zu gestalten, damit sich die Menschen unabhängig von Alter und Bildung besser zurechtfinden.

Im Weiteren ist zu beachten, dass Prävention/Kenntnis von gesundheitsfördernden Massnahmen, welche auch zur Gesundheitskompetenz gehören, wirksam sind zur Vermeidung von Krankheiten und Unfällen. Dadurch können Gesundheitskosten gesenkt werden. Und durch die zunehmenden Anforderungen an die Gesundheitskompetenz durch die Ambulatisierung müssen sich Patientinnen/Patienten und Angehörige vermehrt selber im Gesundheitssystem zurecht finden, um die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Der Kanton Zürich hat die Herausforderung erkannt und startet im Frühjahr unter Einbezug des Ärztenetzwerkes Medix und der Spitex Limmat ein Projekt zur Förderung der Gesundheitskompetenz der Bevölkerung. Ein Ansatz, der sich auf die Dauer lohnen könnte. Die Gesundheitsförderung Schweiz unterstützt das Projekt mit einem Förderbeitrag von Fr. 200`000.–.

Auf 2020 wird das EPD (elektronisches Patientendossier) eingeführt. Mit dieser Einführung wird ein Paradigmawechsel im Gesundheitswesen eingeläutet. Die Patientinnen und Patienten werden Besitzer ihrer Gesundheitsdaten und können diese verwalten. Auch dies bedingt mündige Patientinnen und Patienten, die eine hohe Gesundheitskompetenz aufweisen. Die Interpelationäre sind überzeugt, dass diese Gesundheitskompetenz gefördert werden muss.
Aufgrund dieser Ausgangslage ist der Regierungsrat gebeten, folgende Fragen zu beantworten:

  1. Hat der Regierungsrat von der Studie zur Gesundheitskompetenz der Bevölkerung im Kanton Zürich und dem geplanten Projekt Kenntnis?
  2. Es ist davon auszugehen, dass im Kanton Aargau das Resultat ähnlich wäre. Kann sich der Regierungsrat vorstellen, ein vergleichbares Projekt im Kanton Aargau anzugehen? Oder ist der Regierungsrat bereit, zu prüfen, ob es eine überkantonale Vernetzung und ein Wissensaustausch geben könnte?
  3. Ist der Regierungsrat bereit, Projekte, wo es um Patientenbildung, Förderung der Gesundheitskompetenz und Umgang mit der Komplexität der Angebote und des Wissens rund um Gesundheitsfragen zu fördern und mit zu begleiten?
  4. Welche Massnahmen zur Gesundheitskompetenz sind für die Einführung des EPD`s im Kanton Aargau angedacht?
  5. Oder welche Möglichkeiten kann sich der Regierungsrat vorstellen, damit die Bevölkerung weniger schnell ärztliche Leistungen und Notfallorganisationen aufsucht?

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