31.01.2019 / Verbindlich / Umwelt und Energie /

Ein Kind, das den Weltuntergang prophezeit, hat uns gerade noch gefehlt.

Greta Thunberg, ein 16-jähriges Mädchen mit Zöpfen, das aussieht wie eine 12-jährige, verfällt in frühem Alter in Depressionen und Zwangsvorstellungen. Sie isst nicht mehr und spricht auch nicht und muss therapiert werden. Ihren Ängsten liegt der Klimawandel zugrunde, gegen den niemand etwas tut. Seit dem letzten Jahr protestiert sie wöchentlich vor dem Schwedischen Parlament in Stockholm gegen die menschengemachte Erderwärmung. Ihr Hashtag #FridaysForFuture hat einen Klimasturm ausgelöst, der seit Monaten in vielen Ländern Schülerinnen und Schüler ebenso auf die Strassen treibt. Auch in der Schweiz skandieren sie: „Wir sind jung, wir sind laut, weil ihr uns die Zukunft klaut.“ Wenig geistreich. Aber einleuchtend. Meine eigene Beklemmung kann ich schon lange nicht mehr verleugnen.

Greta Thunberg geht es zum Glück wieder besser, wie sie selbst erklärt. Sie hat eine Mission und bereist damit die Weltbühnen. Dabei ist auch der Anfahrtsweg das Ziel. Eben bestritt sie eine Zugsfahrt von knapp 65 Stunden von Stockholm nach Davos, die sie auf Twitter dokumentierte.  Am WEF sprach sie: „Ich bin hier, um euch zu sagen, euer Haus brennt! Gemäss dem Weltklimabericht IPCC sind wir zwölf Jahre davon entfernt, unsere Fehler nicht mehr rückgängig machen zu können. Alle politischen Bewegungen und Medien haben versagt, um wirkliche Veränderungen herbeizuführen. Es ist keine Zeit mehr, höflich darüber zu reden. Es gibt keine Grauzone mehr, wenn es ums Überleben geht. Wir müssen den CO2-Ausstoss stoppen. Ich will euch keine Hoffnung geben. Ich will, dass ihr in Panik geratet. Ich will, dass ihr dieselbe Angst verspürt, die ich jeden Tag habe.“

Das sass. Wie man liest, mussten sich einige der Mächtigen die Augen wischen bei der Anklage der kleinen Schwedin, welche die Sintflut täglich vor Augen hat und wie Pippi Langstrumpf ganz alleine die Arche Noah stemmen will. Doch im Netz bleiben auch Spott und Häme nicht aus. Greta hat auf der langen Zugsfahrt aus einem Pappbecher getrunken und aus einem Wegwerfgefäss aus Plastik Salat gegessen. Ausserdem besitzt sie ein Smartphone. Seine  Bestandteile aus Kobalt sind deshalb fragwürdig, weil im Kongo Kinder beim Abbau dafür ihr Leben riskieren. Und ihre Fahrt im Öffentlichen Verkehr kann mit Strom betrieben sein, welcher aus Kohlekraftwerken kommt. Das wird ihr vorgehalten von übellaunigen Kreisen, welche die Erwärmung verbunden mit der Verantwortung, die der Mensch dafür trägt, als Humbug abtun Da hilft es auch nicht, dass sie in Davos das mit der aufgeheizten Erde mitgeheizte Hotelzimmer verschmäht und zum Übernachten in bitterer Kälte in ein Zelt kriecht. Samt ihrem tapferen Vater. Denn was tut man nicht alles für seine Kinder?

Man kann sich fragen, wer Greta Thunberg ist? Kind oder Kunstfigur? Wer schreibt ihr die Texte, für die sie, wie sie selbst sagt, Hilfe braucht und wer inszeniert den perfekten Auftritt dieser ernsten jungen Person? Wer lässt sie öffentlich über ihre Depressionen sprechen und ihr Asperger-Syndrom? Und sowieso, tut ihr das gut? Wer formt ihr die Sätze, die wie perfekte Schüsse über die Lippen kommen, über Häuser, die in Flammen stehen. Über Panik. Über Angst und Schrecken, die einen erfüllen mögen, liest man den Sonderbericht des IPCC vom Oktober 2018, der tatsächlich nichts für schwache Nerven ist.

Ich zitiere daraus: Die Erde erwärmt sich schneller und mit schwereren Folgen als bisher angenommen. Um die 1,5-Grad-Grenze einzuhalten, sollte der weltweite Kohlendioxidausstoß 2020 -das ist in einem Jahr- seinen Höhepunkt erreichen und danach deutlich absinken. Auch muss bis 2050 Treibhausgasneutralität erreicht sein. Präzisiert wird das „CO2-Budget“, das der Menschheit für ein Einhalten der 1,5-Grad-Grenze noch zur Verfügung steht. 420 Milliarden Gigatonnen. Dieses CO2-Budget dürfte ohne Umsteuern innerhalb der nächsten zehn Jahre aufgebraucht sein. Steigt die Erwärmung nur um ein halbes Grad mehr, leiden doppelt so viele Menschen unter Wassermangel. Dann steigt der Meerespiegel um 20 Zentimeter mehr. Dann büssen doppelt so viele Wirbeltiere und Pflanzen einen Grossteil ihres Lebensraumes ein. Dann gibt es deutlich mehr Hitzewellen, Starkregen und Dürren. Dann könnte nicht mehr verhindert werden, dass die Eisdecke der westlichen Antarktis in eine unaufhaltsame Schmelze gerät. Und es könnte nicht mehr verhindert werden, dass die meisten Korallenriffe der Welt absterben. Drastische Maßnahmen sind notwendig. Wir steuern auf drei bis vier Grad Erwärmung zu. Ein nachvollziehbarer Grund für Gretas Panik.

Eigentlich wissen wir das und gucken trotzdem nur dumm ins Ozonloch. Ein Kind, das den Weltuntergang prophezeit, hat gerade noch gefehlt. Und unsere Schulkinder dazu. Ich meine, alles, was recht ist! Wir mögen es ja, wenn sie politisch denken und nicht immer nur am Handy hängen. Aber zusammen mit den Lehrern die Schule schwänzen, also bitte sehr!  Dann fliegt auch nicht mehr „Easy-Jet.“ Und eure Klamotten, woher meint ihr, werden die denn importiert?

Aber unsere protestierenden Kinder haben diese Welt nicht geschaffen. Und so treffen sie samt Greta und der Gretchenfrage mitten in die Schwachstelle: Warum tut ihr nichts? Sie haben ein Recht auf eine Antwort. Denn sie sind die Zukunft des Planeten auf dem wir leben. Und es ist unsere Generation, die aktiv werden muss. Greta Thunberg mag uns ein Rätsel sein. Aber noch mehr sind wir eines für unsere Kinder, wenn wir sie in ihrer Sorge hängen lassen. Als ihre Vorbilder!

Immerhin sei den Kindern gesagt, dass die CVP sich der Verantwortung für die Umwelt bewusst ist. Der Umweltartikel in der Verfassung entstammt der Motion eines Aargauer CVP-lers. Und für die Totalrevision des CO2 Gesetzes war die Aargauer CVP-Bundesrätin im Lead. Dass es im Parlament versenkt wurde, lag leider an der SVP und an der FDP. Liebe Kinder, wir geben nicht auf. Wir bleiben dran. In der Verantwortung für Schöpfung und Umwelt. So verstehen wir unser C.

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