21.12.2017 / Verbindlich / /

Wertvolle Kirchenarbeit

Nachdem er seit dem Erwachsenenalter „draussen“ war, wie er sich äusserte, ist der 82-jährige Schriftsteller Adolf Muschg im März dieses Jahres in Bekenntnis ihrer „christlich-reformatorischen Werte“ wieder in die Kirche eingetreten, wo man ihm einen grossen Empfang bereitete. Der verlorene Sohn zog, mach hoch das Tor, die Tür mach weit, ins Grossmünster ein, wo er der Zürcher Christenheit eine Predigt hielt. Es handelte sich bei den Zuhörenden wohl mehrheitlich um treue Kirchenmitglieder, welche in all den Jahren mit ihren Steuergeldern unter anderem auch zu den ständigen Restaurations- und Unterhaltsarbeiten des schönen Sakralraumes beigetragen hatten. Also sozusagen den Mörtel der Kanzel finanzierten, auf welcher der Geläuterte eben über den permanenten Auftrag der Religion sprach. Der erschöpfe sich nicht in Seelsorge oder Krankenfürsorge. Die Kirche müsse in alle unbesetzten Stellen unserer Gesellschaft stossen und habe mehr zu tun als je.

Die Kirche hat tatsächlich zu tun. Und deshalb möchte ich an dieser Stelle einmal gerade zu Weihnachten all jenen Danke sagen, welche diese unschätzbare Arbeit leisten. Die Mitarbeitenden gestalten Kirchenfeste, Gottesdienste, Taufen, Hochzeiten, Trauerfeiern. Sie betreuen Flüchtlinge, widmen sich den Einsamen, den Bedrückten, den Kranken. Sie bereiten Kinder und Jugendliche auf die Firmung und die Konfirmation vor und eröffnen ihnen den Zugang zur Spiritualität. Und vor allem: sie bewahren, schützen und lehren die Werte, die das gute Zusammenleben in unserer Gesellschaft gewährleisten.

Ich vergleiche die Kirchen mit einem Schiff, das seit 2000 Jahren die Zeiten durchpflügt. An Bord das unverfälschte christliche Gedankengut. So wertvoll wie leicht verderblich. Jede Epoche muss sich messen daran, wie sie damit umgegangen ist. Im Schlechten, wenn christliche Tugenden wie Nächstenliebe und Barmherzigkeit pervertiert wurden. Im Guten, wie das Christentum unsere Kultur und unser Sein auch geprägt hat. Die Architektur, die Malerei, die Musik, die Literatur, die Formen des Zusammenlebens, die Raumplanung: Noch heute steht die Kirche in jedem Dorf und Gemeinschaft wie Politik handeln danach, dass sie auch im Dorfe bleibt.

„Wir leben in einem unglaublichen religiösen Vakuum.“ so Muschg. Es lässt sich festmachen am Umgang mit einer machtvollen fundamentalistischen Glaubensbewegung, mit welcher der Westen sich momentan konfrontiert sieht. Erzogen dazu, als Mehrheit gegenüber der Minderheit im moralischen Rückstand zu sein, liegt eine zunehmend areligiös gewordene Gesellschaft flach vor religiösen Strömungen, die dem Mittelalter entstammen und übt sich in Toleranz vor Intoleranz. Ich wünsche uns allen mehr Selbstbewusstsein für die Werte einer aufgeklärten Gesellschaft und mehr Bewusstsein für echte Toleranz, wie es die Kirchen heutzutage vermitteln. Und den Kirchen wünsche ich in Anerkennung ihrer Arbeit, dass viele Menschen zu ihnen zurück finden. Nicht nur an Weihnachten.

Ich wünsche allen schöne Weihnachten.

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