23.06.2017 / Artikel / /

Trauerrede Roland Brogli

Mitte Dezember 2016 haben viele von uns an einer denkwürdigen und persönlichen Feier unseren Freund Roland Brogli als Regierungsrat verabschiedet. Nur ein halbes Jahr später sind wir wieder gemeinsam versammelt, um erneut von Roland Brogli Abschied zu nehmen – dieses Mal leider für immer. Die Plötzlichkeit seines Todes, so kurz nach dem Ende seines erfolgreichen und engagierten Lebens im Dienste der Allgemeinheit, der grosse Verlust erschüttert uns.

Ich spreche hier als Vertreter des Aargauer Regierungsrats, als CVP Parteifreund, der mit Roland einen liebeswürdigen, prägnanten und prägenden ehemaligen Kollegen verloren hat. Vor allem aber als Freund von Roland und seiner Familie. Sie hat mich als sein Nachfolger im Amt und Parteikollege gebeten, sein Wirken zu würdigen.

Ich spreche Dir, liebe Rosmarie, und der ganzen Trauerfamilie im Namen der Aargauer Regierung und der Aargauer Bevölkerung herzlich unser tiefstes Beileid aus. Wir trauern mit Euch um eine aussergewöhnliche Persönlichkeit. Roland Brogli hat sich mit seinem Einsatz für die Allgemeinheit um den Kanton Aargau und seine Mitmenschen verdient gemacht. Er hat seine Ziele mit Herzblut und mit unbeschreiblich grosser Menschlichkeit verfolgt. Gleichzeitig aber auch mit viel Sach- und Fachverstand und verschmitztem Durchsetzungsvermögen.

Wir nehmen heute Abschied von unserem Roland Brogli, vom Privatmann, vom ehemaligen Regierungsrat, vom CVP-Parteimitglied, vom Aargauer, vom Fricktaler, vom Zeininger Roland Brogli. Vom Freund der Bauern, der Jäger, vom FC-Aarau-Anhänger, vom Bier-Ordensträger, vom Erfinder der Staatsweinkürung – die Reihe liesse sich beliebig fortsetzen. Es ist unmöglich Roland Brogli und all seine vielfältigen Leistungen und Facetten gebührend zu würdigen. Doch ob er uns nun als Mitmensch, Politiker, Chef oder Freund begegnete: Roland Brogli war stets sich selbst. Er lebte Werte wie Glaubwürdigkeit und Vertrauenswürdigkeit, Offenheit und Ehrlichkeit, Natürlichkeit und Bescheidenheit.

Es gibt nur einen einzigen Roland Brogli. Ob er nun im Regierungszimmer für eine Finanzvorlage votierte, im Restaurant „Rütli“ in Ammerswil mit zwei Dutzend Bürgern am Stammtisch sass. Ob er in Direktorenkonferenzen oder Sitzungen mit Bundesratsmitgliedern in Bern die Interessen des Aargaus vertrat, am Schreibtisch Budgetzahlen oder im Grossen Rat die Leviten las. Ob er auf der „Brügglifeld“-Tribüne mit und am FC Aarau litt, bei der Staatsweinkürung mundige Tropfen degustierte oder in der österreichischen Botschaft in einer Festrede Maria Theresia wieder aufleben liess. Es gibt nur einen Roland Brogli.

Roland Brogli war ein Schaffer und engagierter Kämpfer für das Wohl der Allgemeinheit. Er war ein lustvoller Debattierer und gewiefter Taktiker. Roland Brogli hatte Humor und Sinn für feine, manchmal durchaus beissende Ironie.

Seine Stärke war sein Charme, oftmals gepaart mit Augenzwinkern und Schalk, Hartnäckigkeit und Konsequenz. Mit gutem Gespür für Menschen und Situationen setzte er diese Stärke geschickt und vor allem sehr erfolgreich ein. Damit erreichte er, dass es in harten politischen Auseinandersetzungen, verfahrenen Situationen meistens doch eine Lösung, einen Kompromiss, einen Durchbruch gab. Politische Gegenspieler wussten dabei ab und zu gar nicht wie ihnen geschah, und wie es „der Brogli“ doch wieder fertiggebracht hat, sich oder seinen Kopf durchzusetzen.

Erlauben Sie mir, geschätzte Trauergemeinde, eine kleine Auswahl der in 16 Jahren Regierungstätigkeit von Roland Brogli erreichten Meilensteine zu würdigen:

Roland Brogli hat sich als Finanzdirektor für eine nachhaltige Finanz- und Steuerpolitik eingesetzt. Ausgeglichener Staatshaushalt, Schuldenabbau und moderate Steuern – das waren die drei Grundpfeiler seiner langfristigen finanzpolitischen Strategie, die er hartnäckig verfolgte. Und zwar nicht um ihres Selbstzwecks willen, sondern weil Roland Brogli der festen und – von mir aus gesehen – der richtigen Überzeugung war, dass ein massvoller, ausgewogener und disziplinierter Umgang mit den staatlichen Mitteln die Voraussetzung ist für das allgemeine Wohlergehen, für Wohlstand, soziale Sicherheit und damit letztlich für ein gut funktionierendes Zusammenleben der Gesellschaft.

Roland Brogli liess sich dabei als CVP-Politiker von menschlichen Werten leiten und schätzte insbesondere die Eigenverantwortung hoch ein. Gleichzeitig erkannte und anerkannte er, dass ein erfolgreicher Staat, eine erfolgreiche Gesellschaft nur dann als erfolgreich gelten können, wenn benachteiligte oder beeinträchtigte Mitmenschen ihren Platz und unsere Unterstützung finden. Am Umgang mit den Schwachen ist die Stärke eines politischen, gesellschaftlichen oder sozialen Systems zu messen. Als geerdeter Mensch verwirklichte hier Roland Brogli christliche Werte.

Als Regierungsrat wollte er schwarze Zahlen. Nach zehn Jahren mit Defiziten stellte Roland Brogli nur zwei Jahre nach seinem Amtsantritt 2001 den Haushaltsausgleich wieder her. Zehn Jahre lang in Folge verzeichnete der Aargau unter seiner Führung Überschüsse.

Beim Thema Schuldenabbau sind zwei wichtige Instrumente sein persönlicher Verdienst: Die Einführung einer Schuldenbremse (ab 2005) und die Schaffung der Spezialfinanzierung Sonderlasten (Gesetz über die Finanzierung der Sonderlasten von 2005) zur Sanierung der Aargauischen Pensionskasse (APK) und der Sondermülldeponie Kölliken. Während seiner Amtszeit konnte Roland Brogli den Schuldenberg um über zwei Milliarden Franken abbauen.

Das dritte wichtige Anliegen waren für ihn moderate Steuern. Mit zwei Steuergesetzrevisionen hat Roland Brogli wesentlich zur Attraktivität des Kantons als Wohn- und Wirtschaftsstandort beigetragen. Mit der Steuergesetzrevision 2006 wurden die Unternehmen sowie höhere Einkommen und Vermögen entlastet, aber auch Menschen in bescheidenen wirtschaftlichen Verhältnissen. Die im Jahr 2012 beschlossene Steuergesetzrevision galt vor allem den Familien mit Kindern sowie dem Mittelstand.

Sein finanzpolitisches Feuer brannte bis zum letzten Tag seiner Amtszeit. So half er tatkräftig mit, Lösungen zu finden, um in den schwieriger gewordenen Zeiten den Staatshaushalt wieder ins Lot zu bringen. Dafür und weil er als Regierungsrat in allen Bereichen stets die Gesamtsicht wahrte, sind wir Roland Brogli zu grossem Dank verpflichtet. Es gibt nur einen Roland Brogli.

Roland Brogli kämpfte, wie es wohl das Schicksal aller Finanzminister ist, konsequent gegen allzu üppige Begehrlichkeiten. Roland Brogli war sich immer bewusst, dass unser Wohlstand nicht einfach Gott gegeben war, sondern von den Menschen dieses Kantons und Vorgenerationen hart erarbeitet wurde. Dass man mit den uns zur Verfügung gestellten Mitteln und Ressourcen sorgsam umzugehen hat. Es gibt nur einen Roland Brogli.

Genauso konsequent setzte er sich gegen das Klischee zur Wehr, dass beim Kanton Aargau das Geld sorg- und achtlos zum Fenster raus geschossen werde. Solche pauschalen Unterstellungen ärgerten ihn. Als Finanzminister wusste Roland Brogli allzu gut, dass staatliche Leistungen auch ihren Preis haben. In diesem Sinne stellte er sich als oberster Personalchef des Kantons auch immer wieder schützend vor das Personal, wenn es und seine Leistungen wieder einmal unqualifizierter Kritik ausgesetzt waren.

Apropos: Einseitiges, egoistisches, ja stures Beharren auf festgefahrenen Positionen ärgerte Roland Brogli. Weil damit seine politischen Grundwerte wie Solidarität, Gemeinwohl, Eigenverantwortung in Frage gestellt wurden. Ganz besonders sein Glaube an den politisch-gesellschaftlichen Grundkonsens als entscheidender Erfolgsfaktor unseres schweizerischen Systems.

Erlauben Sie mir noch ein paar Worte als Freund von Roland: Ich habe Roland viele Jahre als Weggefährte begleiten dürfen – als Gemeindeammann von Wettingen, als Grossrat und Grossratspräsident, als Parteikollege, vor allem aber als Freund.

Ich habe viel von Roland gelernt, politisch – besonders aber auch menschlich. Mit seiner liebenswürdigen und gleichwohl konsequenten Art, mit seinem Respekt gegenüber Mitmenschen, gegenüber den Institutionen unseres Staates, mit seiner Ehrfurcht vor der ihm vom Volk übertragenen Verantwortung – mit all dem ist er mir und sicher Ihnen allen ein grosses Beispiel – und wird es auch bleiben. Es gibt nur einen Roland Brogli.

Roland Brogli hat keine Feinde gehabt. Politische Gegner, ja – alles andere wäre wohl nicht normal, wenn man das Amt eines Finanzdirektors 16 Jahre lang bekleidet. Selbst politischen Gegner konnte er aber auch ausserhalb der Arena freundschaftlich begegnen und in geselliger Runde ein Bier oder ein Glas Wein mit ihnen trinken. Roland Brogli musste man einfach mögen – im ganzen Kanton und weit über die Kantonsgrenzen hinaus. Er war zwar ein in der Wolle gefärbter Fricktaler, hatte aber immer das übergeordnete Ganze im Auge. Er war ein Landesvater, dem alle Menschen in unserem Kanton am Herzen lagen. Das spürten die Menschen von Rothrist bis Fisibach, von Rietheim bis Sins und schenkten ihm bei den Wahlen immer wieder mit Glanzresultaten ihr Vertrauen. Es gibt nur einen Roland Brogli.

Der ganze Kanton trauert heute um einen grossen Aargauer. Traurig über sein plötzliches, überraschendes Ableben. Voller Dankbarkeit für all das, was uns Roland Brogli, was er dem Kanton Aargau und seinen Menschen, uns gebracht hat – als Aargauer, Fricktaler, als Politiker, als Freund. Danke Roland!
Es gibt nur einen Roland Brogli – wir vermissen dich.